Flüchtlingshilfe statt Vorlesungssaal…

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Deleen Cassel an ihrem Arbeitsplatz in der Samtgemeindeverwaltung in Baddeckenstedt. Oft geht es für sie aber auch nach draußen in die Asylunterkünfte. Foto: Lukas Everling Quelle SZ.-Zeitung

Baddeckenstedt. Es muss nicht immer ein Studium sein, das die frisch gebackenen Abiturienten direkt nach der Schule antreten. Auch ein Bundesfreiwilligendienst ist denkbar, um sich ein halbes oder ein ganzes Jahr für die Gesellschaft zu engagieren. Deleen Cassel aus Heere macht genau das in der Samtgemeinde Verwaltung Baddeckenstedt.

Ihr Thema: die Flüchtlingshilfe.
Die 19-Jährige wollte eigentlich ein Studium im Bereich der Sozialwissenschaften antreten. Doch die Uni in Hildesheim zögerte und die Bestätigung über die Immatrikulation blieb aus. „Da wurde ich nervös und habe mich schon mal nach etwas anderem umgesehen“, erklärt Cassel. Sie entdeckte die Stelle in der Samtgemeinde Baddeckenstedt, die bereits seit 2015 ausgeschrieben war. Seither hatte sich niemand gemeldet, und so geriet die Stelle sogar in der Verwaltung in Vergessenheit. Cassel sagte zu und trat ihren Dienst im vergangenen September an.

Und das scheint für die junge Frau genau der richtige Weg gewesen zu sein, denn Cassel sammelt jeden Tag neue Eindrücke. „Erfahrungen, die ich im Studium wohl nicht gemacht hätte. Somit kann ich das als eine Art Vorbereitung darauf wahrnehmen“, meint die 19-Jährige, die weiter den Plan verfolgt, sich an einer Hochschule anzumelden.

Gleich an ihrem zweiten Tag begleitete Cassel einen Gemeindemitarbeiter in eine Flüchtlingsunterkunft, um mitzuhelfen. Und dort sah sie einige bekannte Gesichter wieder. „Ich hatte zuvor schon Deutsch an einer Sprachschule unterrichtet. Es war interessant, die Menschen mal in einem anderen Umfeld zu sehen“, erinnert sich Cassel.

Statt Deutschunterricht ging es dieses Mal allerdings darum, Anträge mit den Asylbewerbern auszufüllen und durch den Dschungel der deutschen Bürokratie hindurch zu kommen. Ebenfalls in ihrer Anfangszeit aktualisierte Cassel das Register der ehrenamtlich Tätigen in Sachen Flüchtlingshilfe. Mittlerweile kümmert sie sich häufig um Auszahlungs-Anordnungen und was sonst noch ansteht.

Beim Kinderfest in Haverlah Anfang September half sie ebenfalls mit.
Zudem stehen Termine für Fortbildungen auf ihrer Agenda. Erst vor kurzem weilte die 19-Jährige bei einer mehrtägigen Seminarreihe in Braunschweig. Das Verhalten in Führungspositionen war ebenso Thema wie ein Kompetenztraining. „Das ist eine super Möglichkeit, um neue Leute kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen“, sagt Cassel, auch wenn sie die einzige vor Ort war, die in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. „Die anderen waren an Schulen, in Krankenhäusern oder in Kinder- tagesstätten.“ Das hätte Deleen Cassel auch machen können, doch sie entschied sich für die Samtgemeindeverwaltung.

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